Gefährdete Kinder- und Jugendgesundheit – Was uns krank macht – und was uns stark und gesund macht

Viele Kinder und Jugendliche haben heute ernsthafte gesundheitliche Probleme. Welche Probleme sind das? Woran liegt das? Und was kann man tun, um sich gesund, fit und stark zu halten?

Ein großes Problem für viele ist Übergewicht und Adipositas bei ca. 15% der Jugendlichen haben. Von Adipositas spricht man bei einem Body-Mass-IndexI von mehr als 30. Das ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Man bewegt sich meist weniger und riskiert damit auch Folgekrankheiten wie Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Rücken- und Gelenkbelastung etc. Und es kann ja auch psychische Probleme machen, vor allem wenn man dann noch gemobbt wird. Woran liegt das?

  • Fehlernährung mit süßen Speisen und Getränke, auch mit Süßstoffen, zuviel Kohlehydraten und ungesunde Fertigspeisen und zu wenig Gemüse und Obst. Verantwortlich für das Adopositas-Problem sind vor allem an der Lebensmittelkonzerne mit ihrer verlogenen Werbung – wogegen es seit Jahren Proteste gibt. Es müsste aber auch in Kitas und Schulen viel mehr über gesunde Ernährung aufgeklärt werden. Also informieren und den Mut haben, mehr auf gesunde Ernährung zu achten! Da braucht man keine Super-Diäten und es muss auch nicht vegan sein.
  • Es liegt auch an zu wenig Bewegung – nicht zuletzt durch Bequemlichkeit und stundenlange Beschäftigung mit Smartphone und Bildschirm. Im Kindes- und Jugendalter muss man sich jeden Tag bewegen, am besten auch regelmäßig Sport treiben – am besten zusammen mit Freunden. Das stärkt Körper und Psyche, das Immunsystem und stärkt auch das Selbstvertrauen. Sport hilft auch bei Depressionen und seelischen Problemen.

Immer mehr Kinder und Jugendliche haben heute mit seelischen Problemen zu kämpfen: Depressionen, Angststörungen, Vereinsamung, Essstörungen und Sucht. Dabei geht es nicht nur um Drogensucht, sondern auch um Esssucht, Internetsucht. Mit der Covid-Pandemie hat das noch sprunghaft zugenommen, weil Schüler viel zu lange zuhause eingesperrt und unnötig Angst und Schrecken verbreitet wurde. Die Jugend musste den größten Preis für eine verfehlte Pandemiepolitik bezahlen. Man könnte heute sogar von einer „Pandemie der psychischen Gesundheit“ sprechen Prof. Z. U. Corell (Kinderpsychiatrie der Carité/Berlin).

Was sind die Ursachen? Für eine gesunde psychomotorische Entwicklung braucht es eine gesunde Umgebung

  • Platz zum Spielen und Toben,
  • gesunde Ernährung,
  • aktive Zuwendung der Eltern, Familie und der Erzieher/innen.

Genau daran fehlt es häufig, vor allem in Familien, die besonders von Armut betroffen sind. 18,5 % der Kinder in NRW sind von Armut betroffen. In armen Städten wie Gelsenkirchen ist es fast die Hälfte – Tendenz steigend. Immer mehr Familien geraten in eine Zerreißprobe. Kinder mit Handicaps und von alleinerziehenden Mütter sind noch häufiger belastet.

Damit wächst auch der Stress und Druck auf die Kinder. Oft leidet dann auch die Sprachentwicklung. In Gelsenkirchen müssen demnächst ca. 60 % der Kinder vor der Einschulung ABC-Klassen besuchen, um die Grundschule besuchen zu können. Wie das finanziert werden soll, ist bis heute schleierhaft.

Kinder und Jugendliche v.a. in Großstädten wachsen oft in einem „toxischen Umfeld“ auf: Fehlender Rückhalt in der Familie, überforderte Kitas und Schulen, die personell und räumlich unzureichend ausgestattet sind und in denen kaum noch (Früh-)Förderung stattfindet, fehlende Jugend- und Freizeiteinrichtungen, fehlende Ausbildungs- und Arbeitsplätze, Gefährdung durch Drogen.

Hinzu kommen die sog. „soziale Medien“ mit einer unkontrollierten Flut von überflüssiger Werbung, sinnloser Gewalt und manipulativer Jugendkultur. Diese behindern selbstständiges Denken, soziale und emotionale Kompetenz – und begünstigen Suchtverhalten, Bewegungsarmut, Entwicklungsstörungen, sozialen Rückzug, Depressionen, Angststörungen. Das bedeutet eine staatlich geduldete – zum Teil sogar geförderte – Kindeswohlgefährdung, weil Kinder und Jugendliche besonders schutzbedürftig sind. Jahrelang wurde von Internetkonzernen und der Regierung die Trommel gerührt für die digitale Aufrüstung sogar in den Grundschulen. Jetzt endlich beginnt ein Umdenken. „Jede Stunde von unnützem digitalen Medienkonsum fehlt an sinnvoller analoger Aktivität“ sagt der Neurowissenschaftler Prof. G. Hüther. Wir fordern Handyverbot für Kinder und die Begrenzung des unkontrollierten Zugangs zu sozialen Medien. Es muss auch endlich Schluss sein mit der Verbreitung von sinnloser Gewalt und Sexismus im Internet und in den Medien.

Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen von Umweltgiften und Umweltzstörung – insbesondere Feinstaub, Mikroplastik, Lärm etc. Und dann noch eine hohe Umweltbelastung. Sie sind auch besonders belastet von der aktuellen Krisen- und Kriegsentwicklung. Die Folgen von körperlicher und psychischer Traumatisierung – für Kinder und Jugendliche aus Flüchtlings-Camps und Hungergebieten Afrikas, aus Kriegsgebieten in Gaza, Libanon, der Ukraine – das alles ist kein Thema bei den Krisensitzungen und Kriegsplänen der Mächtigen. Auch bei den Gesundheitsreformen hierzulande spielt die Kinder- und Jugendgesundheit praktisch keine Rolle. Das zeigt, wie das imperialistische System zur Jugend und zu ihrer Zukunft steht. Ein Problem liegt auch in dem Mangel an kinder- und jugendärztlichen Betreuung. Viele Kinderkliniken wurden geschlossen – weil sie nicht profitabel waren! Monatelang müssen Kinder und Jugendliche mit ernsten psychischen Problemen auf einen Termin beim Psychotherapeuten warten, in unserer Stadt länger als sechs Monate!

Gesundheitsprävention und Gesundheitserziehung finden in Kitas und Schulen viel zu wenig statt. Ohne Rat und Unterstützung durch Eltern, Erzieher, Lehrer, Freunde ist es für viele Jugendliche sehr schwer, eine sinnvolle Perspektive für ihren Lebensweg zu finden.

Umso wichtiger ist es, darüber sprechen, was Kinder und Jugendliche gesund und stark macht. Eine afrikanische Weisheit sagt: „Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie größer werden, gib ihnen Flügel“. Wir müssen die Kinder schützen, ihnen Zuwendung und Zeit geben. Kinder mit einem Smartphone ruhig zu stellen, ist unverantwortlich. Die Kinder und Jugendlichen von den Problemen dieser Welt fern zu halten, ist ebenfalls falsch. Wofür wir eintreten sollten:

  • Um Kindern wirklich allseitig zu fördern müssen Schulen und Kitas personell viel besser ausgestattet werden! Schluss mit der Auslese. Kein Kind und kein Jugendlicher darf zurückbleiben!
  • Die Gesundheitserziehung und -prävention muss systematisch ausgebaut werden – in Kitas, Schulen, im öffentlichem Gesundheitsdienst und Arztpraxen!
  • Kinder und Jugendliche herausfordern, sie stark machen und ihr Selbstvertrauen stärken!
  • Konsequenter Kampf gegen Drogen und Suchtverhalten!
  • Beschränkung des Konsums von „sozialen Medien“. Kampf gegen Cyber-Mobbing und gegen eine krankmachende Ego-, Konsum- und Gewaltkultur!
  • Werbeverbot für krankmachende Lebensmittel
  • Sportförderung. Kostenlose Sport- und Kulturangebote, Schwimmkurse für alle
  • Kampf gegen Armutsgesetze und Sozialabbau!
  • Konsequent gegen Militarisierung und imperialistische Kriegsvorbereitung. Keine Bundeswehrwerbung an Schulen.

Der Jugendverband Rebell fördert eine gesundheitsbewusste, positive Lebenseinstellung, Freundschaft, Zusammenhalt – und den gemeinsamen Kampf um eine lebenswerte Zukunft!